Frauen: Sieben Spielerinnen verlassen Verein

Obwohl viele noch in der Jugend hätten spielen können, gehörten die Marienberger Handballerinnen zuletzt zur Spitze der Damen-Oberliga. Nun steht beim HSV 1956 ein etwas überraschender Umbruch an.

Viele Spielerinnen ließen ihren Emotionen freien Lauf, aufzuhalten wären die Tränen ohnehin nicht gewesen. Das lag keineswegs am Ergebnis im letzten Heimspiel der Oberliga-Saison 2025/26, das die Handballerinnen des HSV 1956 Marienberg gerade hinter sich gebracht hatten. Mit 38:33 wurde gegen die SG Klotzsche mal wieder ein Sieg gefeiert. So groß die Freude darüber aber auch war: Die Tränen ließen sich damit nicht verhindern, denn direkt im Anschluss wurden gleich sieben Spielerinnen vom Verein verabschiedet.

Bilder aus Jugend-Zeiten, die noch gar nicht allzu lange her sind, flimmerten auf einer Leinwand, während den Sportlerinnen im Beisein vieler Familienangehöriger und Fans Geschenke überreicht wurden. „Die letzten acht Jahre waren eine coole Reise“, sagte Norman Knorr – und sprach damit allen aus den Herzen. Der Vater von der unter anderem aufhörenden Amy-Aaliyah Knoch gehörte zu dem Team, das rund um die eigentliche Mannschaft gewachsen ist. Während Trainer Chris Tippmann aus den einstigen E-Juniorinnen binnen kürzester Zeit eine ambitionierte Damen-Mannschaft formte, sorgten die Eltern nicht nur am Spielfeldrand für Unterstützung und Stimmung. Auch viele Reisen zu Spielen und Turnieren schweißten alle eng zusammen. „Wahrscheinlich habe ich mehr Nächte mit Chris zusammen verbracht als mit meiner Frau“, scherzte Knorr.

Wie viele weitere gemeinsame Stunden dazukommen werden, bleibt abzuwarten. Die Tochter wird jedenfalls nicht mehr angefeuert. Nach ihrem Abitur will sich Amy-Aaliyah Knoch auf ihr Studium konzentrieren – genau wie Sarah Martin und Lisa Preißler. Martha Langer, Leni Winkler und Leona Wagner zieht es derweil ins Ausland. Wie Torhüterin Anna-Lea Schönherr wurden unter großem Beifall diese sechs Feldspielerinnen verabschiedet, allesamt erst 18 Jahre alt. Viele von ihnen waren auf Anhieb zu Leistungsträgerinnen einer Mannschaft geworden, die mit ihrer Leichtigkeit die Konkurrenz überraschte und meist auch in die Knie zwang. Nun bricht das junge „Dream Team“ des HSV, das in den vergangenen drei Jahren trotz der geringen Erfahrung stets zur Spitzengruppe der Oberliga Sachsen gehört hatte, schnell wieder auseinander. 

Wehmut und Trauer waren Chris Tippmann durchaus anzumerken, vor allem aber Stolz. „Wir haben ihnen nicht nur das Handballspielen beigebracht, es sind auch tolle Menschen geworden“, sagt der HSV-Trainer. Die Entscheidung, dem Handball in so jungen Jahren zumindest vorerst Adieu zu sagen, kann er nachvollziehen. „Nach der Schule beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Viele wollen einfach mal raus“, sagt der Coach, der sich im Vorfeld des Spiels Zeit genommen hat zum Nachrechnen. Insgesamt seien es um die 200 Punktspiele und mehr als 1000 Trainingseinheiten gewesen, in denen er die jungen Spielerinnen betreute. „Da ist man irgendwo auch satt und braucht mal einen Tapetenwechsel“, so Tippmann voller Verständnis.

Während der Coach für die scheidenden Spielerinnen kleine Figuren hatte herstellen lassen, erhielt er selbst als Dank von seinem Team einen kleinen Kirschbaum. Dessen neue Blüten können als Symbol für die Zukunft des Vereins gesehen werden, denn trotz des schmerzlichen Verlusts will der HSV auch in der kommenden Oberliga-Saison eine möglichst gute Rolle spielen. „Von 18 Spielerinnen aus dem aktuellen Kader bleiben noch 11 übrig. Dazu kommen vier Spielerinnen aus der B-Jugend hoch“, erklärt Tippmann, der auch beim Blick in die fernere Zukunft optimistisch ist. Schließlich erinnern ihn die Leistungen der jetzigen E-Jugend an jene Auftritte der Spielerinnen, die nun verabschiedet wurden. „Und vielleicht sieht man sich ja auch wieder“, frohlockt der Trainer, der gar nicht allzu lange warten muss. Ende Juni wird ja noch das Jubiläum „70 Jahre Handball in Marienberg“ gefeiert. (anr)